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Machen wir das „Richtige“?

Auf der Reise gibt es immer wieder Tage, an denen ich mich frage: Was machen wir hier eigentlich? Was soll das alles? Was bringt mir das? Soll ich nicht besser zurückkehren, etwas „Sinnvolles“ tun, mehr in die AHV einzahlen und täglich hart arbeiten, bis ich pensioniert bin? Wir Reisen ohne klaren Plan, ohne klares Ziel. Dies gibt uns jeden Tag die Möglichkeit, spontan zu entscheiden, wo wir als nächstes hingehen und was wir als nächstes machen. Dies ist einerseits herrlich, hat aber auch seine Tücken, da wir alle Möglichkeiten der Welt haben: So klingt alles was andere sagen oder machen / gemacht haben manchmal verlockend und verunsichernd zugleich: mache ich das Richtige? Reise ich wirklich auf die Art, die für mich stimmt? Sollte ich diese Zeit besser anders nutzen? Ich könnte doch den 4200Km langen Pacific Crest Trail laufen, wie Jon? 4.5 Monate in der Wildnis, das würde mir doch wirklich was bringen?! Und dann per Anhalter weiterreisen, anstatt ständig in den sicheren Shuttles? Oder mit verschiedenen Schiffchen auf dem Amazonas quer durch Südamerika, wie es Tanya gemacht hat? Und gleichzeitig könnte ich doch auch die Zeit nutzen, um mich weiterzubilden, zu lesen und günstig neue Sachen zu lernen, die mir helfen werden, auf neuen Wegen Geld zu verdienen? Und eigentlich sollte ich doch in diesen Ländern etwas Sinnvolles tun, meine Hilfe anbieten und nur volunteeren?! Da ich ohne klaren Plan reise, könnte es sein, dass ich einige Hauptsehenswürdigkeiten „verpasse“ – bin ich dann ignorant?!
Bei all diesen Gedanken hilft mir meist nur eines: wieder mal die Augen schliessen, tief atmen und beobachten, welche Gedanken, Gefühle, Erinnerungen oder Bilder auftauchen. So bekomme ich wieder einen freien Kopf, kann wieder mich selbst sein und bekomme ein gutes Bauchgefühl dafür, was für mich gerade im Moment stimmt.
Dann realisiere ich meist, dass ich mir gerade viel zu viele Gedanken über die Bewertung anderer mache. Es bringt nichts, alles richtig machen und kontrollieren zu wollen; es kommt wie es kommen muss: jetzt habe ich gerade Lust, etwas gemütlicher zu reisen, damit ich auch gut Zeit zum Lesen und Schreiben habe. Später möchte ich vielleicht länger an einem Ort bleiben und dort meine Hilfe anbieten oder auch mal etwas abenteuerlicher Reisen. Ein Bisschen von allem was für mich wichtig ist, das gibt die nötige Abwechslung.
Am allerwichtigsten ist es mir aber, dass ich es schaffe, auf dieser Reise jede Sekunde voll und ganz präsent zu sein und jeden Moment zu geniessen, statt im Kopf immer bereits einen Schritt voraus zu sein. Nur so kann ich z.B. jemandem richtig zuhören und echtes Interesse verspüren und zeigen und die Eindrücke richtig erleben.
Denn was gibt es Schöneres, als sich zwischendurch einfach mal treiben und überraschen zu lassen?
Leander Krontiris
–  welt-erfahren –

No Comments

  • Martina H.

    Liebe Sarah, lieber Leo
    Ihr schreibt so toll und fesselnd! Ich mag sehr eur Blog 🙂
    Alles Beste auf eurer Weiterreise und ich freue mich auf neue Zeilen…
    Lg. Martina

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